Rhythmus und Mee(h)r

Stimmung, Wahrnehmung und Gedächtnis

Einige Lesefrüchte zum Thema "Stimmung und Wahrnehmung":

"Wahrnehmung kann unterschieden werden in physiologische Aufnahme (das Auge sieht, was es sieht - Sinneseindruck) und geistiger Zurkenntnisnahme von Sinneseindrücken (der Mensch nimmt bewusst wahr, was er wahrnehmen will - Apperzeption). Alles, was unsere Sinnesorgane aufnehmen, wird ohne Bewertung aufgenommen, nur nach dem tatsächlichen Vermögen des jeweiligen Sinnesorgans. Unser Bewusstsein nimmt zur Kenntnis (einschließlich der Mitwirkung der tendenziösen Apperzeption) und stellt den Sachverhalt nach subjektiver Einstellung fest (ergreifen - nennen). Der Zusammenhang eines Sachverhaltes ist jedoch stets mehr als die Summe seiner Tatbestände, die Dimension der die Tatbestände zum zusammenhängenden Sachverhalt verknüpfenden Elemente sind als Sinndimension stets anwesend. Ein Sachverhalt bestehe aus drei Tatbeständen (A,B,C); dann ergibt sich für die Erfassung des Sachverhaltes: A und B und C, wobei die Konjunktion ”und” die Dimension des Zusammenhangs darstellt und auf den Sinn weist. Jedes ”und” kann jedoch inhaltlich wieder jeweils anders sein.

Bei Lücken in der geistigen Erfassung (oder bei der Wahrnehmung), wie z. B. bei Naivität ... neigt ein Mensch dazu, ihm unvollständig Erscheinendes in seinem ”Sinne” zu ergänzen (Supplementtendenz) und ihm undeutlich Erscheinendes in seinem ”Sinne” zu verdeutlichen (Prägnanztendenz). Dadurch kann der Bedeutungsgehalt eine solche Änderung erfahren, dass der Realitätsgehalt eine Sinndeutung nicht mehr zulässt: Die korrigierte Bedeutung geschieht zum Wohlgefallen des unterbewussten Systems, Bedeutung wird mit Sinn gleichgesetzt. Die Tendenz des unterbewussten Systems, ein Gleichgewicht zwischen Realität und eigener Sicherheit zu gewährleisten, bindet die erarbeitete Bedeutung an eine als angenehm empfundene Stimmung (thalamische Zufriedenheit). Deshalb kann die Regel aufgestellt werden: Die Stimmung bestimmt die Wahrnehmung. Aversiver Ausfall von Wahrnehmungsfunktionen (Agnosie) kann organische Gründe (optische, akustische und taktile Agnosien, Somatoagnosien) oder noogene Ursachen haben. Die Unterscheidung von Simulation und Aggravation (Verstärkung der Symptomatik) ist in den meisten Fällen nur bei Kenntnis der noogenen Beteiligung möglich. Intensitätsminderungen oder Intensitätssteigerungen sind unter besonderen Umständen normal. Sie können jedoch aversiv auch aus noogen intendierten Sicherheitsgründen auftauchen. Änderungen der Größen- und Gestaltenwahrnehmung sind aus den gleichen Gründen möglich, können jedoch deutlich pathologische Symptome sein, z. B. bei dem Phänomen der Derealisation oder der Halluzination." http://www.sensitive-musiktherapie.de/html/wahrnehmung.html

Einige Lesefrüchte zum Thema "Gedächtnis":

"Auch Linguistikforschungen inklusive der speziellen psycholinguistischen Forschungen sind zum Ergebnis gekommen, dass der Mensch in der Tat zu neuen Einsichten kommen kann; dass er tatsächlich in der Lage ist, sich selbst zu verstehen, und dass er auch in der Lage ist, weitgehend jedenfalls, sich anderen gegenüber verständlich auszudrücken, wenn er das möchte. Also muss es etwas in uns geben, das dies unterstützt und es möglich macht, unseren Lebensstil zu ändern, trotz der Frontalhirneinflüsse. Es muss ja etwas geben, das in der Lage ist, uns so an uns selbst zu erinnern, dass unsere gesamte Vitalität und die daraus resultierenden Möglichkeiten unterstützt werden. Es muss Interesse daran haben, unser eigenes Selbst (!) zu unterstützen und am ”leben” zu erhalten - trotz aller Notwendigkeit, uns einpassen zu sollen bzw. zu müssen. Irgendein Gedächtnis muss es in uns geben, das weiß, wie wir am ”leben” zu erhalten sind, insgesamt und überhaupt. Ich will das das vitale Gedächtnis nennen. Dieses vitale Gedächtnis muss sich natürlich auch im Gehirn befinden: Meine Hypothese (laut H.-J. Freund auf einem Ärztekongreß 1994 in Lübeck in der Tat mehr als eine bloße Vermutung): Das vitale Gedächtnis ist die Medulla oblongata im sogenannten Hirnstamm. Physiologisch werden dort alle tatsächlich notwendigen vitalen Informationen gespeichert. Wenn die Informationswege unterbrochen werden oder die Arbeit des Hirnstamms blockiert wird, z. B. durch eine Reizflut in den Hippocampus und seine Umgebung, so dass dort die Zellen nicht mehr arbeiten können, dann wird die Verbindung zum Hirnstamm so pathologisiert, dass die vitalen Funktionen zusammenbrechen, der Mensch stirbt auf der Stelle. Dieses vitale Gedächtnis ist gleichzeitig ein Koordinationsgedächtnis. Es koordiniert die anderen Anteile des Gehirns. Wenn wir uns nun gehirnanatomisch vor Augen führen, dass sich in der Nähe auch die Formatio reticularis, das Mutzentrum, befindet, das Energien zum Handeln, Denken, Fühlen und zu einer Mischung aus allem entlässt, dann können wir uns vorstellen, wie vital der Hirnstamm arbeiten kann und soll. Die Verbindung über den Thalamus in Richtung Geist, die direkte Verbindung zum Hippocampus, zum Gefühlszentrum, die direkten Wege zum Handeln (Motorik), - hier vom Hirnstamm aus wird Vitales unmittelbar und direkt so organisiert, dass wir lebensfähig sind. Dieses vitale Gedächtnis ist tatsächlich etwas anderes als das physiologische Gedächtnis. Das physiologische Gedächtnis konzentriert sich auf die Organisationsformen und die Kooperation der Organe. Das vitale Gedächtnis sorgt sozusagen im Hintergrund für die Koordination der Organisation der Organe. D.h. wir haben für die anderen sechs Gedächtnismöglichkeiten als Basis das vitale Gedächtnis - und wir können sagen, dieses vitale Gedächtnis ist der Würde der Menschlichkeit des Menschen verpflichtet. Das vitale Gedächtnis hält jeden Menschen für lebens- und liebenswert.

Das physiologische Gedächtnis, das die Organisation der Organe untereinander koordiniert, ist der Primäridentität verpflichtet. Das physiologische Gedächtnis mag uns als Identität. Es erinnert uns daran, dass wir mit uns selbst identisch sind. Das Reisebüro-Gedächtnis oder auch herzliche Gedächtnis ist der Möglichkeit verpflichtet, dieses ”leben” wirklich anzuschauen, als etwas, was uns widerfährt, was ganz lebendig uns selbst belebt. Das herzliche Gedächtnis ist in der Lage, uns zu zeigen, dass ”leben” selbst nie krank werden kann. dass ”leben” wirklich nichts Gefährliches ist; dass ”leben” ein Widerfahrnis ist, weshalb ich es auch immer als Verb schreibe, also kleingeschrieben in Anführungszeichen. Wir können sagen, das herzliche Gedächtnis ist der Schau verpflichtet, die es uns ermöglicht, ”leben” als für uns selbst daseiend zu erfühlen. Wenn das ”leben” allerdings zur anstrengenden Show wird, dann haben wir bald einen Herzinfarkt zu erwarten. Die Bioproteinsynthese als Gedächtnis ist der Einheit der Persönlichkeit eines Menschen verpflichtet. Die Bioproteinsynthese organisiert die Wahrnehmung des Selbst-Seins und eben auch des Andersseins in der Gemeinschaft. Das motorische Gedächtnis ist der Möglichkeit verpflichtet, dass wir in der Lage sind, uns so zu verhalten, dass wir uns selbst richtig sind, dass wir uns in diesem ”leben” als richtig erfühlen, erspüren können. Insofern ist das motorische Gedächtnis unmittelbar der Erfahrung von Heil verpflichtet und keineswegs dem ”Richard-Kimble-Phänomen” (“immer auf der Flucht”). Das existentielle Gedächtnis, das uns alle Möglichkeiten der wirklichen Gefühle zur Verfügung stellen hilft, damit wir über die Gedächtnisleistung des Gyrus parahippocampalis in der Lage bleiben, unabhängig von Verwundungserfahrungen uns zu erfühlen, bis in die Tiefe des eigenen Seins. So können wir sagen: Das existentielle Gedächtnis ist über die Gewissheit von Seindürfen, diesem genuinen Gefühl hinaus, dem Gefühl verpflichtet, das ich Ewigkeit nenne, jener Augenblick, in dem die innerste Lebendigkeit so fühlbar wird, dass Zeit und Raum in diesem Augenblick nicht mehr wichtig sind. Das rationale Gedächtnis ist bei Anwendung des gesunden Menschenverstandes dem verpflichtet, was vor allem ist: der Organisation von Vitalität und Sein in unserem Menschsein: Das Sein selbst gibt Teil an sich, dadurch, dass wir Menschen sind. Was auch immer um das Sein und vor dem Sein gedacht werden kann, muss in irgendeiner Art eine Ordnung haben - nicht zu verwechseln mit Zucht und Ordnung -, eine Art Ordnung, die als ein lebendiges System für jeden von uns Platz lässt, auch in eine Entwicklung hinein, die selbst wiederum offen ist. Das rationale Gedächtnis hilft uns also, uns zu orientieren in der Natur, in unserem eigenen kleinen oder auch größeren Kosmos." http://www.sensitive-musiktherapie.de/html/gedachtnisse.html